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ZDF.kultur – Roche & Böhmermann

Roche & Böhmermann
Bild: Tim Bartel

Die seit dem 4. März ausgestrahlte ZDF.kultur-Talksendung „Roche & Böhmermann“ ist nun nach sieben gezeigten Sendungen und einer Best-of-Folge, in der die vergangenen Sendungen von den beiden namensgebenden Moderatoren Charlotte Roche und Jan Böhmermann kritisch resümiert wurden, in eine ausgedehnte Sommerpause gegangen. Diese Gelegenheit lässt sich nutzen, um selbst ein erstes Fazit über das Konzept und die Gestaltung der Sonntagabend-Unterhaltungstalkshow zu ziehen.

Roche und Böhmermann beschreiben ihre Sendung selber als eine Talkshow ganz in der Tradition des frühen Fernsehens und versuchen dieses Flair durch die spartanische Gestaltung des Studios, Tisch- statt Ansteckmikrofone und das Gestatten von Alkohol und Rauchen aufzugreifen. Die Idee wirkt und lässt Roche & Böhmermann glücklicherweise nicht ältlich, sondern auf eine retro-charmante Art und Weise jung und sympathisch wirken. ZDF.kultur – Roche & Böhmermann weiterlesen

An Education – Komischer Film, toller Soundtrack

Vorhin habe ich mir eine Filmempfehlung von Schafi angetan und frage mich, ob ich für diese Art Film einfach nicht die nötige Sensibilität habe, oder sich die Kritiker der Welt schlichtweg irren. Ich tendiere natürlich zu Letzterem. 🙂

 

Die Handlung in Kürze: England der 60er Jahre. Das 16-Jährige Schulmädchen Jenny (Njom: Carey Mulligan) ist nicht nur eine herausragende Schülerin, nein, sie möchte auch noch eine erstklassige Studentin werden und sich für Oxford qualifizieren. Oder zumindest möchte ihr Vater das, denn von ihm geht ein großer Teil des nötigen Drucks aus, der sie fleißig Latein, Englisch und Französisch pauken lässt. Doch nach einer ihrer Cello-Stunden tritt der jüdische Lebemann David (Charming: Peter Sarsgaard) in ihr Leben, bringt sie kurzer Hand nach Hause und beginnt sie (und gewissermaßen auch ihre Eltern) zu umwerben. Durch seinen guten Stand bei ihren Eltern (sie glauben fälschlicherweise, er wäre auch in Oxford gewesen und riechen den Duft des Geldes an ihm) ermöglicht er ihr Liebhaber Jenny zahlreiche neue Freiheiten und führt sie ein in die Welt der Jazzbars, Kunstauktionen, Hunderennen und fliegt mir ihr schlussendlich in das von ihr heiß geliebte Paris. Spätestens hier muss der geneigte Zuschauer misstrauisch werden und sich denken: „Okay! Er ist gutaussehend, wohlhabend, kultiviert und Anfang 30. Wo ist der Haken???“

Dieser Gedanke wird natürlich bestätigt: Irgendwas ist nicht ganz koscher an David, verdient er doch sein Geld auf Kosten anderer: Er vermittelt Wohnungen an Einwanderer, senkt dadurch die Attraktivität der Gegend und kauft freiwerdende Wohnungen für’n Appel und’n Ei auf! „Diabolisch!“ denkt sich vermutlich auch Jenny und will ihn eigentlich verlassen, kommt jedoch schnell genug zur Besinnung, als David ihr erklärt, dass das schöne Leben leider nicht an Bäumen wächst.

Schlussendlich möchte er Jenny sogar heiraten, sie nimmt den Antrag an, lässt dafür Oxford sausen (was die Eltern witzigerweise nicht stört, waren sie doch vorher so versessen darauf) und lässt die Hochzeit am Ende doch platzen, als sie feststellt, dass ihr Zukünftiger in Wahrheit schon verheiratet ist! Statt sich etwas Pfiffiges auszudenken um alles irgendwie klar zu stellen, zieht er den Schwanz ein und haut ab, während sie den Entschluss fasst, jetzt doch wieder nach Oxford gehen zu wollen (was sie natürlich schafft, er hätt’s gedacht).

 

Die Story hielt ich gelinde gesagt für Mumpitz. Naives Mädchen trifft auf älteren, gutaussenden, reichen, kultivierten, usw. usf. und fliegt am Ende doch auf die Schnauze nur um festzustellen, dass „eigene“ (bzw. die der eigenen Eltern) Ziele sowie harte Arbeit  viel toller sind, ist – vorweg erwähnt – ein komplett ausgelutschtes Motiv. Darüber hinaus war die Handlung um David und Jenny weitestgehend geradlinig und geradezu aus dem Lehrbuch eines schlechten Drehbuchschreibers: Einführung der Charaktere -> Alles toll, alles gut -> Erster, kleiner Rückschlag -> Wieder alles toll -> PENG! -> Moral und Vorhang, Applaus bitte. Während der ersten „Alles toll, alles gut“-Phase stand für mich als Zuschauer nichtmal die Frage im Raum, ob etwas Tragisches passiert, sondern nur, was und wann. Unerwartete Wendungen ließ der Film gänzlich missen.

Das Einzige, was einen ununterbrochen zu grübeln gab, war das vollkommen idiotische Verhalten von Jennys Eltern: Anstatt sich (wie der geneigte Zuschauer) zu fragen, ob an dem etwa doppelt so alten Liebhaber der Tochter vielleicht irgendein Haken sein könnte und der eigenen Tochter zur Vorsicht zu mahnen, wird er mit einer Herzlichkeit in die Familie aufgenommen, die überwältigend ist – ja geradezu adoptiert. David schäkert ein wenig hier, erzählt da nen Witz und verteilt ab und zu mal nen Handkuss an die Herrin des Hauses und schon genießt er komplette Narrenfreiheit, die soweit geht, dass die einzige Tochter wegen ihrem Liebhaber in der Schule komplett abrutschen darf, ohne zu Hause Konsequenzen fürchten zu müssen und in letzter Instanz sogar das Ziel „Oxford“ ganz von ihrer ToDo-Liste streichen darf. Leute, wo sind denn eure Ideale und Ziele plötzlich hin???

Im Gegensatz zu den beiden pädagogischen Nullnummern von Eltern geben die beiden Freunde von David (die minderbemittelte Blondine Helen und der kleine Snob Danny) eine passable Figur als Charaktere ab und können gut zusammen unterhalten.

Wirklich überzeugend ist dagegen das Spiel der beiden Protagonistendarsteller: Carey Mulligan spielt die Jenny ausgezeichnet sensibel und meistert wunderbar die Gratwanderung zwischen scharfer Intelligenz und jugendlicher Naivität, während Peter Sarsgaard seinen Charakter mit einer dermaßen unverschämten Charmanz ausstaffiert, dass man sich immer wieder während des Films denkt: „Hrm… aber der Typ ist doch so NETT… der KANN nicht „böse“ sein.“

 

Alles in allem trotzdem ein Film, den man meiner Meinung nach nicht geschaut haben muss.

 

P.S.: Jetzt steht’s schon in der Überschrift, da muss ich es auch in der Rezension erwähnen: Die Musik des Films ist größtenteils extrem angenehm jazzig… dafür gibt’s eine Bonussocke (auch wenn das den Film nicht rettet: Wenn ich Jazz hören möchte, schmeiße ich Etta James an).

Tim Burtons "Alice im Wunderland"

Tim Burton gehört sicherlich zu den beeindruckendsten Regisseuren und Produzenten der Filmbranche. Seine Filme zeichnen sich durch eine bizarre, düstere Stimmung, verspielte, detaillierte Bilder und nicht zu letzt häufig komplett durchgedrehte Charaktere aus. Das ließ sich in Filmen wie Sleepy Hollow, Sweeney Todd oder Corpse Bride ausgezeichnet bewundern.

Ankunft im Wunderland
Ankunft im Wunderland

Genau wie Tim Burton ist auch die Geschichte um Alice im Wunderland ein Mythos für sich. Das Märchen erschien erstmals im Jahre 1865 und wurde von dem britischen Schriftsteller Lewis Caroll verfasst. Obwohl sich die Geschichte ursprünglich an Kinder richtete, spielte der Autor in seiner Erzählung in einer Weise mit der Logik, dass sie sich auch schnell jenseits der eigentlichen Zielgruppe großer Beliebtheit erfreute. Darüber hinaus hatte die Kindergeschichte großen Einfluss auf die heutige Pop- und Medienkultur, sodass heutzutage viele Motive und Charaktere auch denen bekannt sind, die das Buch bisher nie in den Händen gehalten haben. Zu nennen wären die berühmten Charaktere der Grinsekatze, des verrückten Hutmachers oder des weißen, niemals ruhenden Hasen. Genauso aber auch die sprichwörtlichen „tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus“, die immer noch für eine unvorstelle Wunderwelt stehen.

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