Verivox – Das (un)freundliche Verbraucherportal?

In zwei vergangenen Ausgaben der AStA-Zeitung der Uni Paderborn wurde das Vergleichsportal Verivox positiv erwähnt und als gute Sparmöglichkeit für Studis empfohlen. Da ich eine AStA-Zeitung aber nicht nur als Infoblatt, sondern auch als kritisches und politisches Sprachrohr des Allgemeinen Studierendenausschusses sehe, halte ich es für untragbar, das Unternehmen „Verivox“ unkritisch und unreflektiert zu erwähnen und möchte daher ein etwas anderes Licht auf das Vergleichsportal werfen. Dieser Artikel wird übrigens auch in der kommenden Ausgabe des AStA-Luego erscheinen.

Allem voran steht die Tatsache, dass Verivox ein Wirtschaftsunternehmen ist. Das bedeutet, dass Energie-, Telefon-, und Internetanbieter nicht aus reiner Menschenliebe verglichen und vermittelt werden, sondern dass es sich dabei um eine Dienstleistung handelt, mit der das Unternehmen Geld verdienen will. Da der User aber nicht direkt für die Dienstleistung bezahlt, muss Verivox sich auf andere Weise finanzieren und das findet über zwei Wege statt: Zum einen Werbung und zum anderen (und das ist der größere Knackpunkt) über Provisionen, die Verivox für abgeschlossene Verträge erhält.

Schauen wir uns diese beiden Methoden einmal genauer an: Wenn ich auf meiner Homepage Werbung schalte, lasse ich mich dafür bezahlen, dass ich auf bestimmte Angebote verweise. Bei Verivox sind das zum Beispiel Handy- und Telefonanbieter (Simyo, O2, T-Online, etc…), die das Unternehmen dafür bezahlen, prominent und gut sichtbar mit Bannern und Popups auf der Webseite vertreten zu sein und sich davon erhoffen, Klicks und Vertragsabschlüsse zu erhalten. Gleichzeitig erhebt Verivox aber den Anspruch, die verschiedenen Anbieter auf dem Markt fair miteinander zu vergleichen. Wer sieht den Fehler?

Auf der anderen Seite unterhält das Unternehmen Verträge mit verschiedenen Energie- und Telekommunikationsanbietern, die dem Portal Provisionen für vermittelte Verträge zusichern. Da diese Provisionsabsprachen nirgends einsehbar sind, lässt sich für Kund/innen natürlich nicht überprüfen, welchen Nutzen Verivox aus welchem vermittelten Vertrag zieht. Die Unabhängigkeit des angeblichen Verbraucherportals kann jedoch schon an dieser Stelle angezweifelt werden. So ist es nicht auszuschließen, dass rentable Vertragspartner in den Verivox-Ratings mit Rechentricks weiter oben auftauchen, während Energieanbieter, die möglicherweise gar nichts an das Unternehmen zahlen, schlechter bewertet werden oder gar nicht erst berücksichtigt werden.

Wer nun meint, das seien ja alles Spekulationen und Vermutungen, möge bedenken, dass Verivox bereits im Herbst 2011 im Zuge des Insolvenzverfahrens des Telefonanbieters TelDaFax negative Schlagzeilen schrieb. Da wurde bekannt, dass das Vergleichsportal nicht nur satte Provisionen für vermittelte Verträge eingestrichen haben soll, sondern auch Informationen über die Preispolitik von Konkurrenzunternehmen an TelDaFax weitergereicht haben soll, um dem Anbieter so zu ermöglichen, die eigenen Preise möglichst schnell anzupassen. Eine zusätzliche Brisanz entstand darüber hinaus daraus, dass Verivox Kund/innen an TelDaFax vermittelt haben soll, obwohl dem Unternehmen die schlechte Finanzlage des Anbieters bereits bekannt war und TelDaFax außerdem sehr stark mit Vorabfinanzierungen arbeitete. Das hatte zur Folge, dass viele Verbraucher/innen Verträge mit TelDaFax abschlossen, Jahresabschläge im Voraus zahlten und das Geld nie wieder sahen

An Beispielen wie Verivox zeigt sich immer wieder, dass ein zweiter oder dritter kritischer Blick auf eine kostenlose und verlockende Dienstleistung oft mehr als ratsam ist. Denn häufig verbergen sich hinter dem Label „Verbraucherberatung“ oder „Verbraucherschutz“ Wirtschaftsunternehmen, die nun mal nicht als erstes die Interessen der Nutzer/innen vertreten, sondern vor allem ihre eigenen wirtschaftlichen. Dabei gilt gleichermaßen für Vergleichsportale, Soziale Netzwerke oder Filehosting-Dienste: Wenn man nicht dafür bezahlt, ist man selber Teil der Bezahlung. Sei es durch Werbung, Provisionsverträge oder persönliche Daten. Denn im Zweifel ist auch im Netz nichts umsonst.

Quellen:

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