Gründe, Klaus Rainer Röhl nicht zu mögen…

Meine Großmutter hat ja einen überraschend grandiosen Griff, was Buchgeschenke für mich angeht. Dieses Jahr hat sie mir ein Buch von Ralph Giordano geschenkt, den ich wegen seiner antiislamischen Ansichten kurz davor zerrissen habe und letztes Jahr bekam ich von ihr Klaus Rainer Röhls „Mein langer Marsch durch die Illusionen“, das ich aber erst heute aus dem Regal hervor gekramt habe. Ich war ja von Anfang an skeptisch: Der frühere Ehemann von Ulrike Meinhof und konkret-Gründer (!!!) schreibt kritisch über sein „Leben mit Hitler, der DKP, den 68ern, der RAF und Ulrike Meinhof“. Kritik linker Organisationen und deren Handlungsweisen… gerne, aber was bewegt ihn überhaupt dazu, diese kritische Auseinandersetzung zu suchen?

Naja… ich habe mir angewöhnt, vor dem Lesen eines politischen Buchs erstmal etwas über den Schinken heraus zu finden. Damit meine ich nicht unbedingt den Inhalt oder irgendwelche Kritiken, schließlich ist das alles irgendwo Ansichts- und Interpretationssache, sondern eher die Frage, in welchem Dunstkreis das Werk entstanden und erschienen ist, also recherchiere ich über den Autor und den Verlag und das hat folgendes ergeben:

  • Klaus Rainer Röhl gehört nach seiner politischen Kehrtwende nicht nur der FDP an (das ist ja noch verzeihlich, wenn auch unschön), sondern engagiert sich außerdem für nationalliberalen Flügel der Partei, der sich wiederum (unter anderem natürlich) um den Juristen Alexander von Stahl (WAS für ein Name) formiert. Dieser für seinen Teil vertrat die Junge Freiheit bei einer Verfassungsbeschwerde, weil der Verfassungsschutz NRW das Blatt als rechtsextremistisch eingestuft hat. Von Politikwissenschaftlern wird die Junge Freiheit zumindest zur Neuen Rechten gezählt.
  • Derzeit schreibt Röhl für das Wochenblatt Preußische Allgemeine Zeitung, das sich selbst als „wertkonservativ“ bezeichnet und ebenfalls zur Neuen Rechten gezählt wird.
  • Darüber wirft seine Tochter Anja Röhl dem Autor vor (Stern-Artikel mit bunten Bildern), sie in Kindertagen sexuell missbraucht zu haben und für mich sind keine Gründe ersichtlich, ihren Anschuldigungen keinen Glauben zu schenken.
  • Zu guter Letzt wird der Universitas-Verlag, in dem Röhls Buch erschienen ist, von Wikipedia als neofaschistisch bezeichnet, zumindest aber steht der Verleger Herbert Fleissner der rechtsextremen Publizistik nicht fern.

 

Naja… nach dieser Recherche ist das Buch dann im Altpapier gelandet und das ist noch der gnädigere Weg der Entsorgung… Mir wurde die Verwendung als Klopapier vorgeschlagen, aber das bringe ich dann doch nicht über mein bücherliebendes Herz.

Ein Gedanke zu „Gründe, Klaus Rainer Röhl nicht zu mögen…

  1. Was hast du gegen die Verwendung als Klopapier?
    Wenn ihr eh keins mehr habt ist das doch nur pragmatisch.
    Außerdem landet dieses Druckerzeugnis damit dann da, wo braune Scheiße hingehört. – Fachgerechte Entsorgung. 😉

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