Liara 2 – Die Jagd

Mit einem Zischen erlischt die Kerze. Vollkommene Dunkelheit breitet sich aus und Liaras Herz fängt an zu rasen.

Ein Windhauch streicht erst zärtlich über die ledernen Körper der Bücher, als wolle er sie mit seinen weichen Fingern verwöhnen, doch schlägt plötzlich seine Laune um und er fängt an, an ihnen zu zerren und nach ihnen zu schlagen, wie zuvor nach der Flamme der Kerze. Er schreit zornig auf, prescht durch die unsortierten Blätterstapel auf dem Tisch und treibt sie auseinander, wie ein Wolf eine Herde verängstigter Schafe, wobei er sich von Blitz und Donner anfeuern lässt, die jenseits des halb aus den Angeln gerissenen und vor Schmerzen ächzenden Fensters toben als wollten sie sich gegenseitig übertrumpfen.
Der Regen schlägt einen grausamen Trommelwirbel auf dem Fensterbrett und lässt sich vom Wind immer ein kleines Stück weiter in den Raum tragen, bis er die ersten, aufgeschlagenen, Bücher erreicht und sich gierig in ihren Seiten verbeißt.

Die kleine Fee hat sich inzwischen hinter dem dicksten Wälzern verkrochen, den sie finden konnte und beobachtet den Schrecken, der in dem Zimmer vor sich geht, mit panisch aufgerissenen Augen. Sie muss mit ansehen, wie der Regen die Tinte aus den Seiten der erlegten Büchern saugt, hört das Keuchen, das das Papier mit jedem Regentropfen, der es gewaltsam trifft, ausstößt und spürt, wie sich der tobende Wind auf die am Boden liegenden und geschwächten Werke stürzt, um ihnen die durchweichten Blätter auszureißen, wie die Flügel eines Schmetterlings.

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