Von rasenden Busfahrern, deprimierender Mathematik, Todesängsten und Pfadfindern

Von rasenden Busfahren
Auf Grund einer heute morgen in Paderborn gefundenen Weltkriegsbombe musste ich auf meinem Weg zur Uni den Umweg über einen Schienenersatzbus in Kauf nehmen, was irgendwie schon eine interessante Erfahrung war. Der Bus fuhr von Sennelager über Schloss Neuhaus bis rein nach Paderborn und heizte dabei quer über alle Dörfer.
Das absurde und wiederum witzige an der Busfahrt war der selbstmörderische Fahrstil des Busfahrers gepaart mit den meckernden Fahrgästen, deren Kommentare sich auf der einen Seite gegen den Fahrstil des Busfahrer und auf der anderen Seite gegen die Gesamtsituation richteten.
Ich kann ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, was es daran zu meckern gibt. Gut… Der Fahrer ist wirklich schnell und nicht gerade fahrgastfreundlich gefahren, aber wenn man damit rechnen muss, dass die Mitfahrenden Beschwerden gegen den Verkehrsbetrieb hageln lassen, weil sie sich dazu herablassen mussten, in einen klapprigen Bus zu steigen, weil die Bauarbeiter ja unbedingt heute auf eine Bombe stoßen mussten, kann ich diesen Fahrstil gut nachvollziehen. Entweder er wollte die Meckerköppe möglichst schnell loswerden um das Genörgel nicht mehr ertragen zu müssen, oder er wollte eben diese Beschwerden vermeiden.
Mal ehrlich, liebe Leute: Wenn der Paderborner Hauptbahnhof weiträumig abgesperrt ist, weil die Polizei da an einer 500kg-Bombe herumfrickelt, werdet ihr ganz sicher nicht euren Zug verpassen. Hirn hilft, sage ich dazu nur.

Von deprimierender Mathematik
Überraschenderweise kam ich sogar noch fast pünktlich zu meiner Vorlesung, von der ich aber eh nur recht wenig mitbekommen habe, da ich während der Veranstaltung immer wieder weggenickt bin (DuA!!!), obwohl ich ebendies vermeiden wollte, da ich dem Prof keinen Grund geben wollte, mich der Vorlesung zu verweisen, zumal ich mein Schlafen nicht besonders gut verbergen konnte, da ich in der zweiten Reihe saß. Das einzige, was ich aus den anderthalb Stunden noch weiß, ist die Tatsache, dass Hashtabellen ganz toll sind, allerdings gehörte das nicht zum zentralen Vorlesungsinhalt…
Die Mathezwischenprüfung danach lief darüber hinaus mehr schlecht als recht. Zuerst wurde der Vorgang dadurch aufgehalten, dass ein etwa vier Meter großer Gorilla mit dem Kreuz eines Wandschranks, der sich hinterher als Elektriker herausstellte (ich vermutete eher Türsteher oder zumindest professioneller Kinderschreck), die Nachricht überbrachte, dass uns vorerst der Strom abgestellt wird, somit saßen wir erstmal einige Zeit im Dunkeln.
Die Tatsache, dass wir unseren Test im Schein der Notbeleuchtung begannen, beeinflusste allerdings nicht sonderlich meine vermutlich miserable Leistung, die vor allem dadurch deprimierend wirkt, dass ich das Gefühl nicht loswerde, mit etwas Vorbereitung eine ganze Menge mehr aufs Papier hätte bringen können.

Von Todesängsten
Die Rückfahrt von der Uni gestaltete sich als… naja… irgendwie surreal. Als ich in den Zug stieg, schlug mir ein äußerst unangenehmer Zwiebelgeruch entgegen, an den ich mich glücklicherweise schnell gewöhnen konnte. Ich frage mich, ob jemand einfach zu viele Zwiebeln gegessen hatte oder es doch der Körpergeruch des verschwitzen Mannes neben mir war, zumal mich seine Kopfbedeckung, die einer (nicht besonders hübschen) Kippa ähnelte, immernoch etwas irritiert. Wann sieht man in Deutschland abseits von Sabbat und jüdischen Gemeinden schonmal eine Kippa?
Ebenso verwirrend waren meine Gedanken zu der scheinbar herrenlosen Reisetasche, die unter meinem Sitz lag, denn ich malte mir unweigerlich aus, wie ich mich wohl verhalten würde, wenn es sich um eine Bombe handelte (zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es sich bei der am Morgen gefundenen Bombe um eine Flieger- und nicht etwa um eine Kofferbombe handelte).
Jedenfalls wäre meine typische Reaktion gewesen: „Ja und? Ich sitze doch genau drauf. Wenn das Ding in die Luft fliegt, dann bin ICH als erstes tot. Kann doch also gar nichts passieren.“
Meine Reaktion HEUTE war eine gewisse Unruhe und der Gedanke daran, dass ich eigentlich schon ganz gerne weiterleben würde, schließlich gäbe es noch so viele Dinge, die ich gerne machen würde (insbesondere mit einer ganz gewissen Person). DAS hat mich dann doch ein wenig verwirrt.

Von Pfadfindern
Naja und als wenn das alles nicht schon genug wäre, stieg ziemlich schnell eine ganze Kompanie PfadfinderInnen hinzu, was dazu führte, dass ich feststellte, dass ich eigentlich sehr wenig über die Pfadfinderei weiß und dass das für mich irgendwie doch ein Buch mit sieben Siegeln ist. Mal ehrlich… Das, was die meisten Menschen über Pfadfinder wissen, ist, dass es einen trotteligen Oberwaldmeister und viele bunte Aufnäher und Orden für sinnlose Prüfungen gibt. Dahinter steckt allerdings ein interessantes, wenn auch auf mich suspekt wirkendes, Konzept, das Kindern und Jugendlichen gewisse Werte vermitteln soll, die teilweise gar nicht so sinnlos sind. So geht es in der Pfadfinderei darum, Verantwortung gegenüber sich selbst, seinen Mitmenschen und der Umwelt zu übernehmen, darüber hinaus orientieren sich Pfadfinder an allgemein anerkannten Tugenden wie Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, kritischem Denken und Integrität. Im Grunde alles recht positiv in meinen Augen, aber WARUM zur Hölle müssen die alle unbedingt diese hässlichen, mausgrauen Hemden tragen?
Ich denke, die Uniformierung der Mitglieder ist ein Grund, warum ich der Pfadfinderei zu kritisch gegenüberstehe. Das ganze hat in meinen Augen dann doch einen zu militärischen Hintergrund und auch, wenn in den Pfadfindergesetzen steht, dass man seine Mitmenschen achten und zu seiner eigenen Meinung stehen soll, was bedeutet, dass Individualität von Pfadfindern prinzipiell nicht abgelehnt wird, habe ich immer noch das Gefühl, dass durch die Uniformierung der Mitglieder ein ganzes Stück Individualität verloren geht. Bei der ganzen Gruppenorientierung der Pfadfinder weiß ich nicht, wie viel von der persönlichen Individualität und Freiheit der einzelnen Mitglieder unterdrückt wird oder verloren geht, denn auch, wenn es in den Regeln nicht beabsichtigt ist, können Jugendliche sehr ausgrenzend sein und gerade in einer Gruppe von gleichen möchte man nicht der einzige sein, der wegen einer abweichenden Meinung der einzige Außenstehende ist.
Ich denke daher schon, dass es eine gewisse Angleichung der Meinungen und Verhaltensweisen an einen gewissen Gruppendurchschnitt gibt, was ich irgendwie kritisch finde.

Keine Ahnung, wie fundiert meine Analyse dazu ist…

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